Alle fünf Jahre verwandelt sich die mittelfränkische Stadt Spalt in eine mittelalterliche Kulisse und lädt Einheimische wie Besucher zu einem ganz besonderen Ereignis ein: dem Heimatfestspiel „Die Nürnberger Reis“. Es erinnert an ein dramatisches Kapitel der Stadtgeschichte, das sich im Jahr 1450 zutrug – und das bis heute die Identität und das Gemeinschaftsgefühl der Spalter prägt.


Historischer Hintergrund: Der Sommer 1450

Im Sommer des Jahres 1450 geriet die Stadt Spalt während der Auseinandersetzungen zwischen dem Markgrafen Albrecht Achilles und der Reichsstadt Nürnberg unter Belagerung. Die Nürnberger Truppen verschanzten sich um die Stadt und hofften auf eine baldige Einnahme. Doch als sie erfuhren, dass der Markgraf mit seinen Truppen im Anmarsch sei, gerieten sie in Panik. In der Eile und Angst vor einem Angriff verschütteten sie ihre Vorräte – darunter große Mengen Hirse, die im Volksmund damals auch „Reis“ genannt wurde. Dieses kuriose und doch symbolträchtige Detail gab dem Festspiel seinen eigentümlichen Namen: „Die Nürnberger Reis“.

Die Befreiung Spalts aus dieser Bedrohung wurde von den Spaltern als Sieg der Standhaftigkeit und des Zusammenhalts gefeiert – ein historisches Ereignis, das heute in Form eines aufwändigen und liebevoll inszenierten Theaterstücks gewürdigt wird.


Die Anfänge des Festspiels

Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums dieser Befreiung wurde das Stück am 25. Juni 1950 zum ersten Mal aufgeführt. Der Autor, Prof. Dr. Friedrich Merkenschlager aus Hauslach, verfasste das Werk mit großer historischer Genauigkeit und regionaler Verbundenheit. Seitdem wird das Festspiel alle fünf Jahre in Spalt inszeniert – mit Ausnahme des Jahres 2020, als die Corona-Pandemie die Durchführung unmöglich machte.


Ein Fest von Bürgern für Bürger

Besonders bemerkenswert ist, dass alle Rollen von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Spalt übernommen werden. Vom Stadtrat bis zum einfachen Knecht, von der resoluten Marktfrau bis zum edlen Boten – jede Figur wird mit Leidenschaft und Authentizität gespielt. Diese enge Verknüpfung von Geschichte, Bürgersinn und Theaterkunst verleiht dem Stück eine besondere emotionale Tiefe und macht es zu einem lebendigen Bestandteil der städtischen Identität.


Schauplätze und Veranstaltungen

Die zentrale Bühne des Festspiels ist der malerische Gabrieliplatz, wo sich das mittelalterliche Flair mit der historischen Handlung vereint. Doch das Festspiel ist weit mehr als nur ein Theaterstück. Rund um die Aufführungen findet ein buntes Rahmenprogramm statt, das die Besucher in die Welt des 15. Jahrhunderts eintauchen lässt:

  • Festzug mit prächtigen Kostümen und historischen Figuren
  • Lagerleben am Gasthof Wittelsbacher Hof und in der Langen Gasse mit mittelalterlicher Musik, Handwerk, Speis und Trank
  • Historischer Markt mit Händlern, Gauklern und Darbietungen
  • Führungen und Vorträge zur Geschichte Spalts

Ein Erlebnis für alle Sinne

„Die Nürnberger Reis“ ist mehr als ein Heimatspiel – es ist ein lebendiges Geschichtsereignis, das Generationen verbindet und ein starkes Zeichen für Gemeinschaft und Erinnerungskultur setzt. Die Mischung aus Theater, Stadtgeschichte und Volksfest zieht regelmäßig mehrere tausend Besucher aus der Region und darüber hinaus an. Für viele Spalter ist die Teilnahme – ob als Schauspieler, Helfer oder Zuschauer – ein fester Bestandteil ihrer Heimatliebe.


Nächste Aufführung

Nach der coronabedingten Pause 2020 dürfen sich Interessierte nun wieder auf eine neue Aufführungsreihe freuen. Der nächste Festspiel-Zyklus findet voraussichtlich im Sommer 2030 statt – ein Ereignis, das man sich unbedingt vormerken sollte.


Fazit

Mit „Die Nürnberger Reis“ zeigt Spalt eindrucksvoll, wie lebendig und mitreißend Geschichte sein kann. Wer das Zusammenspiel aus echtem Bürgerengagement, historischer Authentizität und festlicher Atmosphäre erleben möchte, sollte dieses einzigartige Festspiel nicht verpassen. In Spalt lebt das Mittelalter weiter – alle fünf Jahre, in großem Stil.